Trotz Hilfen für Griechenland und eines Rettungsschirms für andere EWU-Länder hat sich die Situation an den Kapitalmärkten noch nicht beruhigt. Die Risikoaufschläge der anderen PIIGS-Länder (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) gegenüber Bundesanleihen sind nach wie vor hoch. Im Mittelpunkt steht nun der im Juli zu erwartende Stresstest für 91 europäische Banken, der Aufschluss über die Stabilität des Bankensystems geben soll. Nachdem die realwirtschaftlichen Indikatoren in den vergangenen Monaten eher positiv überrascht haben, lässt das Momentum der Erholung jetzt nach. Notenbanken können bei ihrer expansiven Ausrichtung bleiben, da die Fiskalpolitik in vielen Industrieländern restriktiver wird. Mit Leitzinsanhebungen in den USA und in der Eurozone rechnen wir frühestens im 1. Quartal 2011. Dabei dürfte nicht die Sorge vor steigenden Inflationsraten eine Rolle spielen, sondern die Tatsache, dass der sehr expansive geldpolitische Impuls von der Wirtschaft nicht mehr benötigt wird.
Überblick USA:
Die aktuellen Indikatoren deuten auf eine schwächere Wachstumsdynamik im 2. H 2010 hin. Wir rechnen in diesem Zeitraum mit einem realen Plus von ca. 2,5%.
Seit Jahreswechsel zeichnet sich eine Trendwende am Arbeitsmarkt ab. In den ersten sechs Monaten nahm die Beschäftigung um rund 147.000 pro Monat zu. Unser Makroszenario hat sich nicht wesentlich verändert. Die Inflation liegt wegen der gefallenen Energiepreise gegenwärtig bei 2,0%. Sie wird in den Folgemonaten durch positive Basiseffekte unter 1,5% fallen und im Jahresdurchschnitt rund 1,5% betragen. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die amerikanische Notenbank vor einer Erhöhung der Leitzinsen weitere Maßnahmen zur Abschöpfung der Liquidität einsetzt (zB Diskontsatz-Anhebung). Mit Leitzinserhöhungen rechnen wir frühestens im ersten Quartal 2011.
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Überblick Europa:
Die Stimmungsindikatoren halten sich am aktuellen Rand auf hohen Niveaus und deuten auf eine anhaltende Erholung in der Eurozone hin - allerdings zweigeteilt: Während Deutschland aufgrund seiner Exportstärke von der Erholung der Weltkonjunktur profitiert, drücken Sparpakete auf die Stimmung der Haushalte und Unternehmen sowie die Wachstumsperspektiven in 2010 und 2011 in den südlichen EWU-Ländern. Der Fokus liegt in der Eindämmung der öffentlichen Defizite. Doch auch hier zeigen sich Unterschiede. Im Vergleich zu vielen PIIGS-Ländern ist der Konsolidierungsbedarf in Deutschland relativ gering, so dass die Wachstumsaussichten nicht signifikant beeinträchtigt werden. In Deutschland dürfte sich ein selbst tragender Aufschwung einstellen. Für 2010 rechnen wir mit einem Wachstum von 1,8%, 2011 von 2%. Die Eurozone dürfte dagegen deutlich schwächer wachsen. Länder wie Griechenland, Spanien und Portugal werden auch 2011 teilweise in der Rezession bleiben. Daher rechnen wir EWU-weit mit einem BIP-Plus von 1,3% in 2010 und 1,7% in 2011. Der Anstieg der Energiepreise hat zu Jahresbeginn die Inflationsrate in der Eurozone nach oben getrieben. Diese dürfte in der Spitze über die 2%-Marke klettern. Der unterliegende Preistrend ist angesichts der Unterauslastung der Kapazitäten disinflationär, die Inflationserwartungen sind fest verankert. Die EZB bezeichnet das Leitzinsniveau von aktuell 1% als angemessen. Angesichts der Griechenland-Krise hat sie die mittelfristige Liquiditätsversorgung wieder ausgeweitet. Da sie gleichzeitig ein sehr gedrücktes Wachstumsbild für 2011 hat, ist eine Leitzinserhöhung frühestens im ersten Quartal 2011 zu erwarten.
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Überblick Japan:
Nach dem sehr dynamischen Konjunkturverlauf der letzten Quartale deuten einige Indikatoren darauf hin, dass es nun gemächlicher weitergehen wird. So schwächen sich die Zuwächse bei den Exporten ebenso wie bei der Industrieproduktion ab. Zudem haben die Ausgaben der privaten Haushalte an Dynamik verloren. Auch der erneute Anstieg der Arbeitslosigkeit wird die Vorsicht der Haushalte erhöhen. Insgesamt halten wir aber an unserer Wachstumsprognose von 3% für 2010 fest. Impulse sind vor allem aus der anziehenden Investitionstätigkeit zu erwarten. 2011 sollte sich das Wachstum auf 2% abschwächen. Die neue Regierung unter Premierminister Kan hat ihre fiskalpolitische Strategie dargelegt. Das Primärdefizit von aktuell 6,4% soll bis 2020 ausgeglichen werden, ab 2021 soll mit dem Schuldenabbau begonnen werden. Geplant ist eine sukzessive Reduktion der Unternehmenssteuern sowie mittelfristig eine Erhöhung der Konsumsteuer. Die Abwärtsdynamik in der Preisentwicklung sollte aufgrund des guten Wirtschaftswachstums mittelfristig abnehmen. Der Inflationsverlauf wird aber in den kommenden Monaten volatil sein. Insgesamt wird die Inflationsrate bis 2012 brauchen, um wieder in positives Territorium zurückzukehren. In diesem Umfeld wird die Bank of Japan ihren geldpolitischen Kurs weiter fortführen.
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Fazit:
Aktien:
Sowohl der Aluminiumhersteller Alcoa als auch der Chiphersteller Intel konnten in der gerade anlaufenden US-Unternehmensberichtssaison bessere Quartalszahlen vorweisen als von den Analysten erwartet. Mit positiven Meldungen konnten auch die Automobilaktien punkten - allen voran BMW durch die Anhebung der Gewinnziele. Trotzdem könnte jederzeit wieder die Verschuldungsproblematik in Europa und den USA für Verunsicherung unter den Investoren sorgen. Daher dürfte die Volatilität bis Jahresende weiterhin hoch bleiben. In der zweiten Jahreshälfte sollten sich für Investoren sowohl dank der verbesserten Fundamentaldaten als auch aufgrund von mangelnden Anlagealternativen weitere Chancen eröffnen.
Anleihen:
Die Renditen in der Eurozone zeigten sich im Juni sehr wechselhaft. Besonders deutsche Staatsanleihen konnten von der „Flucht in Qualität“ profitieren. Zwischenzeitlich wurde ein Allzeit-Renditetief der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe verzeichnet (2,50 %).Zinskurve: Wir erwarten in der Eurozone keine Veränderung, in den USA rechnen wir mit einer leichten Verflachung.
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