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Bis Herbst vorigen Jahres wuchs die deutsche Wirtschaft stärker als die US-amerikanische. Im vierten Quartal 2011 aber wuchs das BIP in den USA um 2,8%, in Deutschland ging es um 1,2% zurück (annualisiert).
Eine mögliche Erklärung ist die Staatsschuldenkrise in der Eurozone. Sie drückt auf die Stimmung in Deutschland, vermindert Exporte in die Eurozone und dämpft Investitionen und vielleicht auch den Konsum. Dazu kommt, dass in Europa die öffentlichen Ausgaben eingeschränkt werden, in den USA hingegen (noch) nicht.
Laut einer McKinsey-Studie ist die Verschuldung der privaten US-Haushalte seit Ende 2008 um 580 Mrd Dollar gesunken. Der Anteil des Einkommens für Zinsen und Tilgungen ist auf den niedrigsten Stand seit Anfang der 90er Jahre gesunken.
Das hängt nicht nur damit zusammen, dass die Amerikaner mehr sparen und Kredite zurückzahlen. Entscheidender ist das Rechtssystem. Bei den sogenannten „non-recourse loans“, kann die Bank nur auf die Immobilie zugreifen, nicht aber auf das sonstige Vermögen des Kreditnehmers, wenn der Kreditnehmer mit seinen Raten in Verzug kommt. Hypothekenschuldner können einfach die Schlüssel ihres Hauses bei der Bank abgeben und sind damit ihre Verbindlichkeiten los.
Zwei Drittel des bisherigen Schuldenrückgangs der privaten Haushalte passierten so, und es dürfte noch einiges dazu kommen. Gleichzeitig ist die Verschuldung der US-Finanzwirtschaft um knapp 2 000 Mrd USD zurückgegangen. Sie liegt mit 40% des BIP unter dem Stand zu Jahresende 2000. Die USA sind damit die einzigen unter den großen Industrienationen, bei denen sich die private Verschuldung seit dem Beginn der Krise verringert hat, während sie in allen anderen Staaten gestiegen ist (auch in Deutschland). Auch Schweden und Finnland haben Anfang der 1990er Jahre bei der Überwindung der damaligen Bankenkrise zuerst ihre private Verschuldung reduziert. Dann wuchs die Wirtschaft wieder und erst dann wurden die öffentlichen Finanzen saniert. Die USA sind aber nicht nur bei der Gesundung ihrer Bilanzen weiter gekommen. Die Zentralbank-Liquidität, die die amerikanische FED zur Verfügung stellt, bleibt, anders als in Europa, nicht im Bankensystem hängen, sondern kommt unmittelbar in der Realwirtschaft an. Die Geldmengenaggregate, die in Europa mehr oder weniger stagnieren, steigen in den USA wieder stark an.
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